St. Johannis zu Rudisleben
„Im Jahre 1730 am 8. Februar ist abends 6 Uhr eine große Feuersbrunst in einer Scheune entstanden. Die grausame Glut hat gleich um sich gegriffen, so dass die hiesige Kirche, die Schule und 24 Wohnhäuser in Asche gelegt wurden.“ So die Chronik im Ort. Das Pfarrhaus lag damals der Kirche gegenüber und ist mit abgebrannt. Deshalb wurde der Pfarrer in das heutige Gehöft in der Hauptstraße 7 eingewiesen, das bis heute Haus der Kirchengemeinde geblieben ist.
Am 19. April 1731 erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubau der Kirche im Beisein von Superintendent Caroli und weiteren Persönlichkeiten. Auch diese Kirche wurde geweiht auf den Namen des vierten Evangelisten: Sankt Johannes.
Der Grundriss des Kirchenneubaues hat die Form eines Kreuzes. Die Länge O-W beträgt 18,80 m; die Breite N-S = 15,65 m.
Am 18. Dezember 1732 wurde die neue Kirche mit einer Predigt von Superintendent Caroli eingeweiht.
Am 30. April 1733 wurde der Knopf auf dem Dachturm mit allem was für die Nachwelt wichtig ist, aufgesetzt. Die Kanzel wurde am 19. Oktober 1733 eingeweiht. Über der Kanzel ist ein großes „G“ zu sehen: es steht für „Fürst Günther I“ von Schwarzburg-Sondershausen.
Die Taube über der Kanzel ist Zeichen des Heiligen Geistes und dahinter die Fürstenkrone bedeutet, dass der Heilige Geist Gottes höher steht als weltliche Herrschaft. Unten an der Kanzel ist ein brennendes bzw. flammendes Herz angebracht.
Die Kirche besitzt einen schönen Altar aus Seeberger Sandstein mit der Jahreszahl 1732. Sie ist fein in der Aderung und handwerklicher Bearbeitung und ist nur mit Antependien zu bekleiden, denn seine Schönheit soll das Auge erfreuen.
Der Taufstein wurde erst 1961 angeschafft. Zweckentfremdet über dem Altar befindet sich ein Taufengel von 1741, der ursprünglich als Taufe diente. Dieser wurde vom Pfarrer Zimmermann gestiftet aus Dankbarkeit für die Genesung seiner Kinder von einer schweren Krankheit und ist höchstwahrscheinlich ein Werk des Arnstädter Bildhauers Johann Friedrich Böhler.
1764 wurde das Epitaph für J.E. Zimmermann in der Kirche an der südlichen Empore angebracht. Es ist ebenfalls ein Werk von Johann Friedrich Böhler. (1713-1784) Um 1828 wurde südlich der Kirche ein Glockenhaus erbaut. Warum dies tatsächlich geschah, ist nicht klar. Im Jahre 1899 kam zu den bisherigen 2 Glocken eine dritte Glocke hinzu um das neue Jahrhundert 1900 mit 3 Glocken einzuläuten. Im 1. Weltkrieg mussten zwei Glocken abgeliefert werden und wurden 1918 durch Stahlgussglocken ersetzt. Die dritte Glocke ist 1942 eingezogen worden. Erst 1964 kam eine 3. Glocke wieder hinzu. Im Jahre 2020 konnte ein neues wunderbares leichteres und schöntönendes Dreifach-Geläut im Festgottesdienst zu Erntedank eingeweiht werden. Seitdem erklingt der Ton der Glocken wie ursprünglich geplant vom Dachreiter aus; also aus der Höhe der Kirche.
Die Orgel wurde 1875 von der Firma Adam Eifert aus Stadtilm gebaut. Es ist eine mechanische Schleifladenorgel mit hohem Reparaturbedarf.
Etliche Vorhaben zur Sanierung der Kirche laufen im Jahre 2022. Befunduntersuchung; das Anlegen einer Farbachse; ein Monitoring für die Risse in der Wand; Reparatur der Altarfenster; grundlegende Reparatur des Fußbodens und auch der Fenster im oberen Bereich der Kirche.
MR 2020
