Oberkirche Arnstadt
Die aus dem Franziskaner-Kloster hervorgehende, nur hundert Meter vom Markt entfernte Oberkirche, verdankt ihren Namen der Lage in der Arnstädter Oberstadt. Die Arnstädter Oberkirche gehört zu den größten Saalkirchen des Mittelalters in Mitteldeutschland. Ihr schlichter einschiffiger Bau ist rund 59 m lang und nur 11 m breit. Das Tonnengewölbe hat seine heutige Form im 18. Jahrhundert bekommen. Die Höhe der Kirche beträgt bis zum Scheitel des Gewölbes etwa 16 m, bis zum Giebel 22 m.
Den Grundstein für den Bau des Klosters und für die Klosterkirche legten die Franziskanermönche 1246. Im Verlauf der zweiten Hälfte des 12. Jh. wurde der Kirchenbau auf seine heute sichtbare Größe erweitert und vermutlich Ende des 14. Jh. zu Ende geführt. Um die sich neigende überhängende Nordwand der Kirche zu stützen, wurde 1461 ein etwa 30 m hoher, schlanker Glockenturm mit Spitzhelm angebaut, der das Erscheinungsbild der Oberkirche wesentlich prägt.
Das Kloster, in dem u.a. auch der junge Mönch Martin Luther als Gast weilte, wurde im Zuge der Reformation 1538 aufgehoben. Vom großen Stadtbrand 1581, blieben die Oberkirche und auch die Klostergebäude verschont. Danach wurde das Hauptgebäude des Klosters zur Schule umgebaut. Die gegenwärtige Ausstattung der Oberkirche stammt im Wesentlichen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Emporen, sowie das Untergeschoß des sogenannten Adelsstandes (links vom Altar) datieren aus dem 16. Jh. Im 17. Jh. erfolgten deutliche bauliche Veränderungen, darunter der Fürstenstand im Renaissancestil (rechts vom Altar), die Kanzel, der Taufstein und der Hochaltar (Burchard Röhl) sowie das Obergeschoß des Adelstandes.
1901 wurde die Kirche umfänglich renoviert und durch die Fa. Sauer eine Orgel neu eingebaut. Als nach dem 2. Weltkrieg die entstandenen Kriegsschäden behoben wurden, entfernte man auch die zwei oberen Emporen der Südseite und die Emporen der Nordseite. In den Folgejahren gab es immer größer werdende Schäden, so dass die Kirche 1977 geschlossen werden musste. Dank privater Spender und durch Initiativen des Vereins „Oberkirche Arnstadt e.V.“ sowie des Freistaates Thüringen und der Kirchengemeinde Arnstadt konnten Bauschäden beseitigt sowie die Tonnendecke (2010) und der Innenbereich restauriert werden. Somit ist die Oberkirche wieder in einem anschauenswerten Zustand. An die Klosterzeit erinnert der 2026 fertig gestellte Teil des Kreuzganges, der sogenannte „Mönchsgang“, der vom Gemeindehaus zur Kirche führt. Heute befinden sich im Hauptgebäude das evangelische Gemeindehaus, Schulungsräume und das Stadtkirchenamt.
Autoren: W.D., M.J. (04/2026)
Quellen:
Info.broschüre „OK Arnstadt e.V.“,
Bildband Arnstädter OK ISBN 978-3-7319-0514-1)
