Die Bachkirche als originärer Ort geistlicher Musik Europas
Vorausschau: 21. Bach-Festival, 20. März bis 12. April 2026
Wer die in weiß gehaltene Kirche in Arnstadts Mitte betritt, ist von ihrem hellen, gold-weißen Charme schnell eingenommen. Prunkhaft wirkt der Aufbau von Altar und darüber liegender Kanzel, so dass die Sprache einen Spielort hat – die Kanzel als Ort der Predigt, der Altar als Ort des Sakramentes, erstes Prinzipalstück. Das zweite Prinzipalstück, der Taufstein, ist mittig im Altarraum und damit in der Sichtachse des Altars aufgestellt. Die Kirche gleicht aber ebenso einem Musiksaal. Der gleichzeitig glänzende und gewagte Einbau zweier Orgeln im Westen der Kirche ist ein geradezu magischer Ort für alle, die etwas von Orgelmusik verstehen.
Dass hier Johann Sebastian Bach mehr als Spuren hinterlassen hat, ist spürbar und wurde in eine congeniale Atmosphäre gesetzt oder versetzt durch die Hinzufügung einer wunderbaren romantischen Orgel, etwas abwärts: eine Treppe entfernt steigt der oder die Spielerin der Tasten über musikalische Jahrhunderte und geht von Bach zu Reger: vom Orgelbarock zur Orgelromantik, treppabwärts – oder wieder hinauf. Die Kirche dankt es mit wunderbarem Klang.
Ein solch originärer Ort musikalischer Preisung und Rühmung ist in dieser Konstellation nicht häufig anzutreffen, nicht in Deutschland und auch selten im alten Kontinent Europa.
Die ohnehin bestehende Einzigartigkeit mitteldeutscher – oder thüringischer – Orgellandschaft erfährt hier ihre Weihe: dies ist nicht steigerbar.
Diese Kirche, die im Gedenken an die Fähigkeiten Johann Sebastian Bachs nach ihm heißt, bedarf höchster Wahrung: sie ist internationales Bach-Gut; eine Akademie als Ort, ein Ort als Akademie – selbst im Schweigen hoheitlich.
Fährt der Klang der Orgel auf, so wird verständlich, dass hier das Tor zur Orgelmusik offen steht, ja, der Palast des Orgelspiels selbst geöffnet ist – und einlädt zum Hören.
Bach würde schreiben: Soli Deo gloria.

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